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Die Digitalisierung verändert den Alltag in Arztpraxen spürbar. Standards für Interoperabilität und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Telemedizin, Wearables, IoT und mobile Anwendungen bestimmen zunehmend, wie Informationen genutzt und ausgetauscht werden. Dieser Artikel zeigt, wie Ärztinnen und Ärzte den technischen Fortschritt zur Erleichterung im Praxisalltag nutzen können.
Von der Insel zur vernetzten Praxis
Der Praxisalltag hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Laborresultate kommen elektronisch, Überweisungen werden digital übermittelt, und Patientinnen erkundigen sich zunehmend nach dem elektronischen Patientendossier (EPD). Gleichzeitig zeigt sich: Nicht jede digitale Information lässt sich problemlos weiterverarbeiten. Befunde liegen in unterschiedlichen Formaten vor, PDFs müssen manuell übertragen werden, und Daten aus externen Portalen finden nicht ohne Zusatzaufwand den Weg ins eigene PIS. Hier setzt der Begriff Interoperabilität an. Gemeint ist die Fähigkeit verschiedener Systeme, Informationen nahtlos miteinander austauschen können. Dies bedeutet, dass sie technisch korrekt ankommen, fachlich verstanden werden und direkt im Arbeitsprozess integriert nutzbar sind. In der Schweiz sind die Leitplanken klar: Mit den CH Core-Profilen auf Basis von HL7 FHIR, den CH EPR FHIR-Spezifikationen für den Anschluss ans EPD sowie den internationalen IHE-Profilen stehen verbindliche Standards bereit. Wenn ein PIS diese Vorgaben unterstützt, werden Laborbefunde, Medikationslisten oder Überweisungsinformationen nicht als unhandliche Dokumente importiert, sondern erscheinen strukturiert im Dossier – dort, wo sie gebraucht werden.
Interoperabilität als Fundament für Innovation
Viele der Innovationen, die derzeit in aller Munde sind, lassen sich nur nutzen, wenn die Datenbasis stimmt. Künstliche Intelligenz kann Diagnosen oder Therapievorschläge nicht sinnvoll unterstützen, wenn sie auf unvollständige, unstrukturierte Informationen angewiesen ist. Telemedizin gewinnt an Effizienz, wenn Befunde und Anamnesen aus der Telekonsultation direkt im PIS des Hausarztes abgelegt werden, ohne dass jemand nachträglich Daten einpflegen muss. Das Bundesprogramm DigiSanté, das von 2025 bis 2034 läuft, soll genau diese Entwicklungen vorantreiben. Einheitliche Schnittstellen, eine bessere EPD-Anbindung und mehr Praxistauglichkeit stehen im Zentrum. Damit solche Programme Wirkung entfalten, braucht es nicht nur technische Standards, sondern auch neutrale Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte. FMH Services bietet in Zusammenarbeit mit Heureka Beratungen an, die genau diesen Übergang begleiten – von der Analyse des Ist-Zustands bis zur praktischen Umsetzung im Praxisalltag.
Künstliche Intelligenz im PIS – Helfer mit Potenzial
Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren spürbar Einzug in den medizinischen Alltag gehalten. Schon heute gibt es Systeme, die Arztberichte automatisch transkribieren, Kodierungen vorschlagen oder auf mögliche Wechselwirkungen hinweisen. Im besten Fall spart das wertvolle Zeit, reduziert Fehler und unterstützt Ärztinnen und Ärzte mit zusätzlichen Informationen. Für die Praxis ist entscheidend, dass KI-Lösungen nicht isoliert nebenherlaufen, sondern direkt im PIS eingebettet sind. Nur wenn sie nahtlos in den Arbeitsprozess eingebunden sind, erhöhen sie die Effizienz. Ebenso wichtig sind Datenschutz und Nachvollziehbarkeit: Patientendaten dürfen nur innerhalb der Schweiz verarbeitet werden, und jede Empfehlung der KI sollte transparent und überprüfbar bleiben. Die Verantwortung liegt immer beim ärztlichen Team – die KI liefert Hinweise, ersetzt aber nie die klinische Entscheidung. Besonders wirksam wird KI, wenn sie auf strukturierte, interoperable Daten zurückgreifen kann. Standards wie CH Core sorgen dafür, dass Informationen konsistent vorliegen – und die KI daraus echten Mehrwert generieren kann.
Telemedizin und Mobile Health – mehr als Zusatzfunktionen
Auch die Telemedizin entwickelt sich rasant weiter. Was während der Pandemie als pragmatische Lösung begann, ist inzwischen ein fester Bestandteil vieler Praxen. Moderne Lösungen gehen weit über die reine Videosprechstunde hinaus: Digitale Anamnesefragebögen, sichere Dokumentenübertragung zwischen Gesundheitsfachpersonen und der flexible Wechsel zwischen virtuellen und persönlichen Konsultationen gehören längst dazu. Mobile Zugänge ergänzen dieses Bild. Ärztinnen und Ärzte können unterwegs auf wichtige Daten zugreifen, während Patientinnen und Patienten über Apps ihre Termine buchen, Rezepte anfordern oder Befunde abrufen. Entscheidend ist, dass diese Funktionen nicht als separate Module existieren, sondern nahtlos in das PIS und – wo sinnvoll – ins EPD integriert sind.
Schweizer Besonderheiten – und was man vom Ausland lernen kann
Die Schweiz geht bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen oft den Weg der sorgfältigen Spezifikation. Bevor neue Funktionen breit ausgerollt werden, werden sie ausführlich getestet, etwa in sogenannten Projectathons. Das reduziert Umstellungsprobleme, erfordert aber von Praxen, sich rechtzeitig vorzubereiten. Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass verbindliche Fristen wie beim eRezept oder beim elektronischen Medikationsplan zwar für Tempo sorgen, aber auch erheblichen Druck erzeugen. Skandinavische Länder wiederum zeigen, wie eine enge Integration von Telemedizin, KI und Patienten-Apps den Alltag erleichtern und den Verwaltungsaufwand senken kann. Für die Schweiz gilt: Qualität hat Vorrang, aber wer zu lange abwartet, riskiert, bei neuen Versorgungsmodellen den Anschluss zu verpassen.
Strategisch vorgehen – Schritt für Schritt
Wer seine Praxis auf die kommenden Jahre ausrichten will, sollte mit einer nüchternen Bestandsaufnahme beginnen: Welche Prozesse sind digital gut abgebildet, wo entstehen Medienbrüche, und welche Systeme sind bereits vernetzt? Darauf aufbauend lohnt es sich, die Standardkonformität des PIS zu prüfen und zu klären, welche Innovationen für die eigene Praxis tatsächlich relevant sind. Nicht jede Praxis braucht eine vollumfängliche KI-Unterstützung oder komplexe Mobile Health- Plattformen. Entscheidend ist, dass neue Funktionen in den Arbeitsalltag passen, die Zusammenarbeit mit Partnern erleichtern und die Sicherheit der Patientinnen und Patienten erhöhen. Gerade hier kann eine neutrale Beratung sinnvoll sein: Sie hilft, technische Möglichkeiten von realem Nutzen zu unterscheiden, Prioritäten zu setzen und den Umstieg schrittweise umzusetzen.
Fazit
Interoperabilität und Innovation gehören zusammen: Standards schaffen die Grundlage für funktionierende Datenflüsse, neue Technologien nutzen diese Daten, um den Praxisalltag effizienter und sicherer zu machen. Wer heute in interoperable, erweiterbare und gut integrierte Systeme investiert, stellt die eigene Praxis nicht nur technisch, sondern auch strategisch zukunftssicher auf. Die Schweiz bietet dafür klare Vorgaben, begleitende Programme – und mit den IT-Beratungen von FMH Services in Zusammenarbeit mit Heureka auch praxisnahe Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte.
Dr. Fabia Rothenfluh
Chief Operating Officer
Heureka Health AG
Neue Jonastrasse 59
8640 Rapperswil-Jona
Telefon 055 511 04 69
fabia.rothenfluhl@heureka.health
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